gegründet 1897

"Zweck des Vereins ist der Erhalt der Riedersteinkapelle, samt Mariengrotte und Kreuzweg..."

Auszug aus der Geschichte des Kirchleins und des Vereins 

Haben der glimpflich überstandene Absturz eines Jägers von der kahlen Gipfelplatte oder die glückliche Heimkehr der auf die Felsenspitze verirrten Rösser des Leeberghofbauern den Anlass für den Bau eines Kirchleins auf den Riederstein gegeben, wie es die Sage uns weismachen will? 

Oder was es einfach nur die gläubige Marienverehrung der Menschen des 19. Jahrhunderts?

Sicher ist nur, dass der Tegernseer Schlossdiener, Josef Hupfauer 1841 ein Kirchlein auf den steil abfallenden Rauwacke-Felsen oberhalb des Galauns aus Holz, achteckig, mit spitz zulaufendem Dache, wo nur 2 bis 3 Personen Platz fanden, errichten ließ. 

Der Zulauf muss in der Folgezeit bereits beträchtlich gewesen sein. 10 Jahre später musste die Kapelle bereits vergrößert werden. 1861 erhielt sie durch Gönner einen Altar. 

1863 / 64 errichteten zahlreiche Tegernseer und Rottacher Bürger auf Initiative des Wolfgang Altmann, zum Eckart am Kleintegernseer Berg, abermals einen Neubau. Diese heute noch bestehende 3. Kapelle wurde am 12. Juni 1864 eingeweiht. 

Um auch für spätere Zeiten den Unterhalt der Kapelle zu gewährleisten, machten sich Tegernseer Bürger 1897 an die Gründung eines Vereins. In der Halle des Herzoglichen Bräuhauses versammelten sich die Herren Josef Steinbacher, August Scheuer, Weilhammer Jun., Joseph Popp, Johann Echtler auf Anregung des Herrn Uhrmachers Josef Steinbacher und beschlossen, einen Verein zur Erhaltung der Riedersteinkapelle und Errichtung eines Kreuzweges auf den Riesensteinfelsen zu gründen. 

Schließlich wurde am 19. September 1897 auf dem Pflieglhof der „Verein Riederstein Tegernsee“ ins Leben gerufen. (mit dem besonderem Vermerk: Auch Frauen können Mitglied werden

Die Änderung ins Vereinsregister erfolgte allerdings erst 1918. Noch im Gründungsjahr 1897 wurde die Aufstellung eines neuen Kreuzweges auf dem Weg zum Riederstein beschlossen. Die aus dem Eisenwerk Achthal bezogenen Eisengusstafeln erhielten vom Tegernseer Malermeister Babl ihre farbige Fassung. Bereits ein Jahr zuvor war nahe der 5. Kreuzwegstation in den romantischen grotesken Felsen eine Lourdesgrotte eingerichtet worden. 

Frater Odoricus Röder, der Guardian des Tölzer Franziskanerklosters nahm am 15. August 1898 die Einweihung des Kreuzweges vor.  1984 wurden die Kreuzwegstationen entrostet und von Kunstmaler Heinz Viehweger neu bemalt. 

Als 1. Vorstand des Vereins wurde der Uhrmacher Josef Steinbacher gewählt, der die Kapelle im Jahr 1901 durch stilgemäßen Anbau vergrößern ließ. 

Ein herausragendes Ereignis war die Jubiläumsfeier anlässlich des Fünfzigjährigen Bestehens des Kirchleins am 14. September 1913. Bengalisches Feuer und Feuerwerksraketen ließen das Kirchlein bereits am Vorabend im glänzenden Licht erstrahlen. Am Festtag erlebte der Riederstein aber einen wahren Ansturm der Bevölkerung. Die Vereinschronik spricht von mindestens 1500 (!) Besuchern, so dass die Nachkommenden nur mehr bis zum Baumgartenweg gelangen konnten. 

Gute und schlechte Zeiten wechselten einander ab: 1922 wurde Infolge der Geldentwertung der Opferstock des Kirchleins gerichtet, da er wegen des massenhaft hineingesteckten Papiergelds unbrauchbar wurde. Es darf nicht verwundern, denn waren lange Zeit dem Geistlichen für das Vorbeten des Rosenkranzes 3 Mark gegeben worden, war in diesem Jahr an das Pfarramt der Betrag von 50 Millionen zu entrichten. 

Die Hauptversammlung 1924 verzichtete gar auf eine Etatberatung, da Infolge der Geldentwertung der Verein von Besitz abgesehen, ebenso schuldlos arm, wie alle geworden war. 

Mit dem, auch im Tegernseer Tal populär werdenden Skisport, der Gelaun, avancierte damals zum Rottacher Hausberg, war der Moarstadl auf dem Galaun vom Rottacher Skiclub bereits 1908 zu einer Unterkunftshütte umgebaut worden. 1924 eröffnete Alois Höß, Moar am Schwaighof, daneben einen kleinen Gastbetrieb, das Berggasthaus Riederstein (heute Galaun)

 Durch Verkauf der Eheleute Fidel und Anna Miller 1917, beziehungsweise Tausch mit dem Galaunwirt Alois Höß 1925, erwarb der Verein den Riederstein Felsen und rund 3 Hektar Wald zusammen mit dem Laubstadl. 

1932 ist im Protokoll des Vereins vermerkt, der Führer der NSP Adolf Hitler habe mit noch 3 seiner engsten Parteifreunde den Riederstein besucht. „Wer hätte damals geahnt, dass Hitler nach einem halben Jahr Reichskanzler sein würde“  

Der Zweite Weltkrieg wirkte sich auch auf die 100 Jahr-Feier seit der Errichtung der 1. Kapelle im Jahr 1941 aus. Demzufolge fand die Feier nur in bescheidenem Rahmen statt. Die Kapelle war mit waldesgrünen Blumen geschmückt. Die Feier der schweren Zeit entsprechend, schlicht und einfach, aber doch erhebend schön. Hochwürden Pfarrer Bergmaier hielt eine auf die 100 Jahrfeier bezügliche Ansprache. 

Der Krieg beeinträchtigte verständlicherweise auch die Vereinsaktivitäten. Seit 1940 wurde auf Mitgliederversammlung verzichtet. Um 1944 vermerkt das Protokollbuch lapidar: an Reparaturen wurde nichts ausgegeben, da Arbeiter nicht zu haben waren. 

Nach dem Krieg dauert es lange bis der Verein sich wieder formierte. Eine der ersten Amtshandlungen war 1949 die Ernennung Josef Wackersbergers zum Ehrenmitglied des Riedersteinvereins. Er war 25 Jahre lang Schriftführer, übernahm zusätzlich in schwerer Kriegszeit kommissarisch das Amt des Vorstands und bestieg im Herbst 1949 mit 80 Jahren letztmals seinen geliebten Riederstein.

Als Folge einer Regenperiode löste sich im Juli 1954 unter donnerndes Getöse am Abhang des Riedersteins zum Alpbach hin eine Felswand und stürzte einschließlich des sich darauf befindlichen Ruhebänkleins, alles mit sich reißend, in einer Breite von 100m bis 200m  zu Tal. Menschen kamen Gottlob nicht zu Schaden. 

1968 besuchte der Erzbischof von München-Freising, Julius Kardinal Döpfner, ein begeisterter Bergwanderer, anlässlich seines Firmbesuchs in Tegernsee die Riedersteinkapelle. 

Ein Gönner des Riesensteins war auch Hans-Jochen Vogel, 1960 bis 1872 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, später Bundesminister. Er überwies dem Verein mehrere Jahre einen namhaften Betrag. 

Im Juli 1977 fand aus Anlass des 80.-jährigen Bestehens der Riedersteinvereins auf dem Galaun ein Gedenkgottesdienst statt. Am Hang gegenüber dem Gasthaus war der Altar mit Blick auf die Kapelle aufgebaut. Stadtpfarrer Johann Nepomuk Scherling zelebrierte die Feldmesse. 

Kapelle und Kreuzweg sind seit 1983 in die Denkmalliste des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege aufgenommen. Beides wird ausschließlich aus den Mitteln des Riedersteinsvereins bestritten. Ohne Zuschuss von Kirche oder staatlichen Stellen. 

Im Jubiläumsjahr 1997 war es dem Vorstand ein Anliegen, Wege und Kapelle in einem entsprechenden Zustand präsentieren zu können. Es wurden nicht nur wie die jedes Jahr die Stufen des Weges mit neuen Eichenriegeln ausgebessert, vielmehr wurden an der Kapelle Schindelverkleidung, Außenanstrich, Blechdach und der Turm erneuert, sodass sie nun im frischen Glanz ins Tal hinunter grüßt.  Auch die Glocke kann wieder geläutet werden. 

So sei an dieser Stelle nicht zuletzt allen Vereinsmitgliedern, Gönnern, Handwerkern und Wegmacher, aber auch den Wirtsleuten vom Galaun gedacht, die allein mit ihrer Tatkraft und ihren Idealismus dazu beigetragen haben, dass das Riedersteinkirchlein und der zu ihm führende Weg mitsamt den Kreuzwegstationen noch immer zu einer der schönsten Stätten im Tal gehört. 

 

(Quelle: Heft: "Der Riederstein" 6. überarbeitete Auflage 2020

dankenswerterweise zusammengestellt von Edmund Schimeta unter Mitarbeit von Roland Götz) 

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